Tesla Model S 100D - Erfahrungsbericht


Vorüberlegungen zum Elektroauto


Allgemein

Ich bin beruflich recht viel unterwegs (ca. 220km-290km am Tag/60.000km im Jahr). Seit Jahren stört es mich, dass ich dabei die Umwelt doch recht stark belaste. Daher verfolge ich seit geraumer Zeit die Entwicklung von Elektroautos.
Eigentlich sind Verbrenner immer mein Hobby gewesen. Besonders meine Motorräder habe ich früher stark getunt und optimiert (incl. Zylinderkopfbearbeitung, neue Abstimmung von Vergasern/Einspritzung/Steuerzeiten und allem was dazu gehört). Diese Arbeiten habe ich sämtliche selbst ausgeführt. Kurz: ich mag Verbrennungsmotoren!

Nichts desto trotz muss ich schon seit geraumer Zeit eingestehen, dass die Zeit der Verbrenner vorbei ist. Bereits vor vielen Jahren habe ich prophezeit, dass Diesel keine Zukunft haben, einfach weil die Abgasreinigung immer aufwändiger und damit teurer und weniger haltbar wurde.
Mein noch aktueller Wagen ist ein 3L-6-Zylinder-Benziner als Saugmotor. Inzwischen gibt es sowas fast gar nicht mehr. Downsizing ist der aktuelle Trend. Damit kommen Turbos einher, die wieder im Unterhalt sehr teuer werden, da die Haltbarkeit eher mäßig ist. Hinzu kommt das Feinstaubproblem moderner Direkteinspritzer.
Bedingt durch diese Entwicklung wurde ein Elektroauto immer wirtschaftlicher. Leider kommt nur ein einziger Fahrzeug in betracht, ein Tesla. Nur dieser kann mein Fahrprofil bewältigen. Leider deshalb, weil mir der Wagen eigentlich zu groß und zu teuer ist. Mir würde ein kleineres Auto völlig reichen. Parkhäuser sind mit Sicherheit furchtbar mit dem Model S. Enge, zugeparkte Straßen machen sicherlich auch keinen Spaß. Ich fahre aber meist Autobahn und gut ausgebaute Bundesstraßen.

Reichweite

Vor der Bestellung im Januar 2018 habe ich mich erstmal sehr gründlich informiert. Die wichtigste Frage war dabei, ob das Elektroauto meine Strecken unter allen Umständen bewältigen kann und wenn ja, welches. Dazu muss der Wagen bis zu 220-290km am Stück schaffen. Bei der kürzeren Strecke (220km, bzw. 2*110km) ist das zu 80% Autobahn, bei der längeren Strecke (2x145km) kommen noch 2x35km Landstraße hinzu. Meine Reisegeschwindigkeit beträgt auf freier Strecke seit Jahrzenten 180km/h nach Tacho. Da die Tachos der meisten Autos allerdings stark voreilen (GPS-geprüft zwischen 10 und 20km/h), bedeutet dies, dass ich auf dem Hinweg früh morgens mit dem Tesla 160-170kmh fahren können will (Tesla hat einen extrem genauen Tacho). Auf dem Rückweg muss ich verkehrsbedingt meist ohnehin nur ca. 130km/h fahren.
Außerdem soll das auch im Winter und mit älterer Batterie (genauer: Akku) funktionieren. Das Tesla Model S verliert laut diverser Tests auf 300.000km knapp 10% an Kapazität. Dabei gehen die ersten 3-5% wohl nach wenigen 10.000km verloren und dannach bleibt die Kapazität dann fast konstant.
Die angegebene Reichweite mit 632km nach NEFZ klingt erstmal gut, aber diese gelten für einen vollen Akku. In der Paxis läd man einen Akku aber nur bis ca. 80%, weil der Ladevorgang darüber sehr lange dauert. Und wer fährt schon bis zu einer Restreichweite von 0 (Ok, ich manchmal ;-))?. Außerdem kenne wir ja alle die Aussagekraft des NEFZ-Wertes von Verbrennern. Bei BEVs (Battery-Electric-Vehicles) ist das nicht besser.
Im Winter kommt noch ein Mehrverbauch von gut 20% hinzu. Bei Spritmonitor braucht der Wagen knapp 21kwh auf 100km im Ganzjahresbetrieb. Ich rechne also großzügig als Worstcase-Zenario ca. 60kwh * 1,2 (für Winter) = 72kwh. Das sollte mit einem 100kwh-Akku kein Problem sein. Selbst ein älterer Akku sollte das schaffen. Der deutlich günstigere 75kwh-Akku schafft das leider für mich nicht.
Nichts desto trotz ist mir klar, dass auch bei einem Tesla das Autofahren etwas geplanter ablaufen muss, als bei einem Verbrenner und dies das eine oder andere Mal auch garantiert zeitlichen Aufwand bedeutet. Ich möchte aber einfach nicht weiterhin soviel Sprit verbrennen wie bisher und bin daher bereit einen gewissen Mehraufwand in Kauf zu nehmen.

Umweltfreundlichkeit

Ein wichtiges Thema für mich! Eine belastbare Recherche zu diesem Thema war besonders schwer. Nicht, weil es nicht genug Informationen zu dem Thema gäbe, sondern weil es schwer ist neutrale Betrachtungen zu finden. Auf der einen Seite die Verbrennerlobby und die Leute, die immer gegen alles Neue sind, auf der anderen Seite die Begeisterten, die jeden Einwand einfach wegwischen. Da werden von Beiden Seiten "Fakten" behauptet die jeden Bezug zur Realität vermissen lassen, aber das Ganze im tiefsten Ton der Überzeugung. Die Presse ist leider auch nicht viel besser. Die wenigsten Artikel sind richtig recherchiert. Heutzutage sind Journalisten leider oft freiberuflich und werden nach Anzahl der Artikel bezahlt. Für eine gründliche Recherche bleibt da selten Zeit.
Ich habe daher einige Monate immer wieder zu dem Thema viel gelesen. Meine Schlußfolgerung ist, dass der Tesla in der Gesamtsumme sehr umweltfreundlich ist, auch bei Berücksichtigung der Herstellung. Mir ist aufgefallen, dass viele Studien, die eine sehr hohe Umweltbelastung (wegen des Energieverbrauch) bei der Herstellung der Batterien bemängeln von einem sehr hohen Kohleanteil bei der Herstellung ausgehen. Zumindest Tesla verwendet aber zur Produktion 100% Ökostrom und auch die SuperCharger werden zu 100% mit Ökostrom betrieben.
Oft zitiert wird eine schwedische Studie (engl. Original), die angeblich belegen würde, dass ein Tesla Model S für die Batterieproduktion etwa 17,5T CO2 verursachen würde. Dadurch würde der Wagen erst nach 8 Jahren durchschnittlicher Nutzung genauso umweltfreundlich sein, wie ein Verbrenner. Mal abgesehen davon, dass das ja immerhin auch was wäre hat hier mal wieder einer vom anderen abgeschreiben ohne die Studie überhaupt gelesen zuhaben. Die Studie geht nämlich von einem sehr hohen Kohlestromanteil bei der Engergiegewinnung aus, wie er für Deutschland nicht zutrifft.
Erwähnte ich schon, dass Tesla überhaupt keinen Kohlestrom verwendet?
Lediglich ein Artikel im Manager Magazin macht den Eindruck, als hätter der Author die Studie auch gelesen.
Gerne wird auch so getan, als käme der Energiebedarf für die Batterieproduktion einfach dazu. Das ist natürlich völlig falsch. Motorblock, Zylinder, Zylinderkopf und Schaltgetrieb bestehen heute aus Alu oder Stahl. Beides sehr energieintensiv in der Produktion. Ein Tesla hat diese Bauteile schlicht nicht.
Ein völlig anderes Thema ist der Feinstaub. Als erstes ist die Frage woher kommt der Feinstaub beim Auto. Er ensteht in erster Linie durch folgende Komponenten: Verbrennungsvorgang im Motor, Reifen, Kupplung, Bremsen. Verbrennungsvorgang? Hat ein BEV nicht. Reifen? Kein Unterschied zwischen Verbrenner und BEV. Kupplung? Hat ein BEV nicht. Bremsen? Hat ein BEV zwar, werden aber nur selten benutzt, da der Großteil des Bremsen über die Rekuperation (mit der Bremsenergie wird die Batterie wieder geladen) gemacht wird. Also auch hier ein riesen Vorteil für BEVs!

Wirtschaftliche Betrachtung

Der Tesla ist erstmal wahnsinnig teuer (seiner Klasse entsprechend). Autos dieser Preisklasse sind weit von dem entfernt, was ich normalerweise fahre. So viel Geld für ein Auto ist mir ein Auto eigentlich nicht wert.
Eigentlich? Nun, bei Elektroautos ist zwar die Anschaffung sehr teuer, aber der Unterhalt dafür sehr günstig. Bei Tesla ist sogar das Laden an den Superchargern ein Autoleben lang kostenlos. In meinem konkreten Fall kann ich meinen alten Verbrenner in Zahlung geben und statt das Geld für Tanken auszugeben zahlte ich damit die Raten für den Tesla. Das kommt bei mir fast genau hin. Der Tesla würde mir also keine zusätzlichen Kosten verursachen. Im Gegenteil, in ein bis zwei Jahren müsste ich einen neuen Verbrenner kaufen. Das könnte ich mir dann natürlich sparen.
Untern Strich bleibt in meiner speziellen Situation also Geld über!
Ich nehme dafür ganz bewusst in kauf, dass ich täglich eine gute halbe Stunde zum Laden am Supercharger stehen muss. Das ist mir mein Umweltgewissen aber wert.

Nachteile

Natürlich sind mir auch einige Nachteile eines Elektroautos bewussst, bzw. bekannt geworden.
Man kann selbst bei Tesla nicht ganz so spontan tanken, wie bei einem Verbrenner. Bei Tesla sind dank des Supercharger-Netzes aber trotzdem problemlos Langstreckenfahrten möglich. Bei anderen Marken zur Zeit (Anfang 2018) leider nicht.
Speziell Tesla hat noch einige (für mich akzeptable) Nachteile gegenüber deutschen Premiumanbietern:
Die Verarbeitung ist nicht ganz so perfekt.
Kein Toterwinkel-assistent.
Kein Regensensor.
Fast alles wird über den großen Bildschirm eingestellt. Manchmal sind Knöpfe meines Erachtens einfacher zu bedienen.
Immerhin bestht die Hoffnung, dass einige Funktionen noch kommen. Tesla liefert ja ständig Updates (kostenlos).

Probefahrt

Abschließend folgte Ende Dezember 2017 eine Probefahrt.
Ich hatte ein wenig bedenken, ob der fehlende Motorsound nicht ein echtes Manko wäre. Ich habe zwar nie Krachtüten gemocht, aber der Motor-Sound an sich ist schon was Schönes (finde ich zumindest).
Tesla im Main-Tanus-Zentrum gewährte mir großzügige 1:45 Stunden Zeit in welcher ich 165km zurücklegte. Ünerhaupt muss ich sagen, dass der Service vom Main-Tanus-Zentrum bei mir hervorragend war, auch später noch! Bei der Probefahrt waren sowohl Autobahn als auch Landstraße. Nun, das Ergebnis war so, wie ich schon vorher (stark bezweifelnd) gehört hatte: "Nach der Fahrt eines Elektroautos kommt dir jeder Verbrenner altertümlich vor". Welche eine Übertreibung dachte ich! Schließlich fährt der sich wie ein normales Auto, nur der Antrieb ist halt geräuschlos.
Nun, da ist eben doch noch einiges mehr. Erstmal fand ich das geräuschlose Fahren tatsächlich gut (hätte ich nicht gedacht), dann läuft der Motor in jeder Lebenslage völlig ruckfrei, was besonders beim Langsamfahren auffällt. Last not Least steht immer viel Leistung zur Verfügung. Überholmanöver auf relativ kurzen Geraden verlangen eben nicht vorher in den kleinen Gang zu schalten um den Überholvorgang auf der kurzen Geraden risikofrei zu schaffen. Einfach Gas (Strom wäre wohl passender) und ab geht's. Vom Stand weg kommt ohnehin kein Verbrenner mit. Das Wichtigeste ist aber, dass das alles mit großer Lässigkeit passiert. Da brüllt nichts, kein Schalten, kein Kuppeln, kein Ruckeln, es geht einfach nur voran.
Die Straßenlage ist durch den sehr tiefen Schwerpunkt sehr angenehm. Die Lenkung ist ausreichend direkt (in Stellung Sport), kommt aber nicht an die Lenkung meines BMWs heran. Irgendwie ist einfach das Gefühl nicht so direkt. Sorry, besser kann ich es nicht beschreiben. Bin ja kein beruflicher Autotester. Die Federung ist nicht die Sensibelste, aber noch im guten Bereich. Das kann aber auch an den montierten Runflat-Reifen liegen, die Tesla serienmäßig hat. Solche hatte ich auch schon bei meinem alten Wagen drauf und war froh, als sie runter gefahren waren. Es fehlt halt durch die harten Reifenflanken ein großer Teil der Eigendämfung.
Praktisch ist, dass man das Fahrwerk während der Fahrt in der Höhe verstellen kann. Normalerweise fährt man also sehr tief (Verbrauch ist da am niedrigsten), kann aber beim Überfahren von Hindernissen den Wagen höher legen. Angeblich merkt sich der Wagen solche Stellen und macht das beim nächsten Mal dann von selber. Sehr praktisch.
Auf der AB nehmen bei hohen Geschwindigkeiten die Windgeräusche naturgemäß zu, so dass der Unterschied zu einem Verbrenner schwindet. Die Beschleunigung ist immer wieder Beeindruckend. Ein Nachteil in Baustellen fiel mir allerdings auch auf. Durch die extreme Breite ist das Fahren auf der linken Spur nicht immer möglich. Da ich schon eine Fahrpraxis von über 1.000.000km habe (ca. 50% Auto und 50% Motorrad) kann ich durchaus durch schmale Lücken fahren. Beim Überholen einiger PKW piepste der Wagen wie wild. Laut dem beifahrenden Verkäufer, weil ich extrem dich an der Leitplanke gefahren bin. Trotzdem war der Abstand zum PKW sehr klein. Für einen LKW hätte das nicht mehr gereicht. Der Wagen ist incl. Spiegel leider 2,20m breit. Das bedeutet dann für die Zukunft, dass ich mich in Baustellen oft rechts einordnen müsste, was ich bisher nie getan habe. Warum müssen Autos heutzutage immer größer werden? Ich mag das nicht und ich brauch das nicht!

Bestellung

Trotzdem war die logische Folge der Probefahrt: Anfang Januar 2018 habe ich den Wagen bestellt. Übrigens ohne den viel zitierten Autopiloten. Im jetzigen Zustand (ein besserer Spurhalteassistent) bringt der mir keinen Mehrwert, der 6.000,- Euro rechtfertigen würde. Allerdings ist die Hardware in jedem Auto drin, so dass man in später freischalten lassen kann. Das könnte interessant für mich werden, wenn der Wagen wirklich zuverlässig auf der Autobahn allein fährt. Auf der Autobahn könnte das in absehbarer Zeit vielleicht klappen. An voll autonomes Fahren unter allen Bedingungen glaube ich die nächsten Jahre nicht. Vielleicht in 10 Jahren...
Bei der Bestellung wurde mir noch keine geneuer Liefertermin genannt. Ein mündliches 1-2 Monate gab es als Einziges. Normal dauert es etwas länger, aber ich habe einen Wagen genommen, welcher bereits bestellt wurde und bei welchem der Käufer abgesprungen ist. Auf diese Art kann man ein paar tausend Euro sparen. Das ist aber auch die einzige Art bei Tesla einen Wagen etwas günstiger zu bekommen. Tesla gibt nicht einen Cent Rabatt!
Allerdings gibt es ein Weiterempfehlungsprogramm, über welches man beim Kauf eines Tesla Model S oder Model X 100,- Euro Rabatt erhält:

http://ts.la/norbert93771


Warten

Als erstes erhielt ich ein paar Mails, welche Informationen enthielten was für Dokumente für die Zulassung seitens Tesla benötigt würden und einen Zugang zu einer persönlichen Homepage bei Tesla. Nach ein paar Tagen meldete sich bei mir eine Auslieferungsspezialistin. Diese teilte mir mit, dass der Wagen ungefähr am 22.-23. März käme (soviel zu 1-2 Monate). Danach war Funkstille.
Ich stöberte ein wenige im Tesla-Forum (Tesla Fahrer und Freude - Forum, welches mir schon vorher bei meinen Recherchen positiv aufgefallen war. Hier findet man viele interessante Informationen zu Tesla. Dort laß ich, dass viele Besteller über ihre Homepage bei Tesla Status-Informationen über die Lieferung erhielten. Ich leider nicht.
Im Forum laß ich auch, dass die Rechnung auf die Homepage hochgeladen würde. Seitens Tesla habe ich diese Information nicht erhalten. Nach einiger Zeit fand ich tatsächlich dort meine Rechnung. Erfreulich daran war, dass auf der Rechnung das Auslieferungsdatum stand, nämlich der 14. März. Also etwas früher. Sehr gut!

Weiter warten (8.03.2018)

Langsam aber sicher kam mir der Kontakt zu Tesla merkwürdig vor. Eine Woche vor Auslieferung und noch nichts von Tesla gehört. Haben die mich vergessen? Eine Mail an meine Auslieferungs-Spezialistin kam schon vor einiger Zeit zurück mit "Im Mutterschaftsurlaub". Gestern habe ich dann vorsichtshalber mal angerufen. Tatsächlich. Die wussten von nichts. Wie immer, wenn ich Kontakt mit Tesla hatte, war mein Gesprächspartner sehr freundlich und hat sich tausend Mal entschuldigt. Naja, kann passieren.
Deutlich ärgerlicher war für mich, dass der Termin, welcher auf der Rechnung steht vermutlich um zwei Wochen überschritten wird. Nun heißt es plötzlich kurz vor Ostern :-(.
Mir wurde schon vor vier Wochen auf meine Nachfrage hin mitgeteilt, dass der Wagen am 25.01.2018 verschifft worden sei. Im Telefonat hieß es nun er käme dieser Tage in Tilburg an. Bringt Tesla die Autos im Paddelboot über den Ozean? Da passt doch was nicht.
Nun, die Tage soll sich jemand bei mir melden...

Die Abholung naht (13.03.2018)

Heute habe ich den ersehnten Anruf von Tesla erhalten, in welchem mir der Termin der Abholung mitgeteilt wurde. Es ist nun der 20.03.2018, also in einer Woche. Hoffentlich bleibt es dabei!


Er ist da